If we wait until we´re ready, we´ll be waiting for the rest of our lifes.
— Lemony Snicket
Hallo, mein Name ist Anne. Ab dem 01.09. lebe ich für zehn Monate in Kanada. Die Stadt in der ich lebe heißt St. John´s und liegt ganz im Osten auf der Insel Neu Fundland. Ich lebe dort in einer Gastfamilie und gehe ganz normal zur Schule.
Vor einiger Zeit habe ich meine Gastfamilie zusammen mit meiner Gastschwester gewechselt.
Anderthalb Monate vor dem eigentlichen Wechsel habe ich entschieden mit meiner Bezugsperson hier vor Ort zu sprechen.
Ich habe sehr gute Unterstützung von meinen Freundinnen hier vor Ort bekommen, die mich schlussendlich auch mehr oder weniger dazu überredet haben, mit meiner Bezugsperson zu sprechen.
Ich selbst hatte eigentlich gedacht, dass ich es dort vielleicht sogar aushalten würde, aber jetzt im Nachhinein weiß ich, dass ich es wahrscheinlich ausgehalten hätte, es aber keine schöne Zeit geworden wäre.
Ich habe mich also mit meinem Koordinator getroffen und mit ihm über meine Probleme gesprochen. Er meinte daraufhin, dass ich und meine Gastschwester die Gastfamilie wechseln können. Jedoch meinte er, dass er erst einmal mit seinem vorgesetzten sprechen müsse. Zwei Wochen später kontaktierte er mich erneut und sagte ich müsse bevor wir wechseln können erst einmal mit meiner Gastfamilie sprechen.
Also sprach ich am Sonntag danach mit meiner Gastmutter über meine Probleme. In dem Gespräch machte sie mir relativ deutlich klar, dass sie nichts ändern werden und sie sich eigentlich auch relativ wenig dafür interessieren, wie es uns geht und was wichtig für uns ist, also alles in allem, haben sie sich nicht wirklich dafür interessiert, wer wir sind.
Zweieinhalb Wochen später haben ich und meine Gastschwester die Familie gewechselt. Als meine alte Gastfamilie davon erfahren hat, haben sie nicht mit uns darüber gesprochen und uns bis zu unserem Auszug ignoriert.
Meine Neue Gastfamilie ist super nett. Es ist ein älteres Ehepaar, sie haben drei Kinder, zehn Enkel und drei Urenkel. Sie waren von Anfang an super nett und haben uns vertraut und wertgeschätzt, was die andere Gastfamilie nicht getan hat.
Im Nachhinein bin ich sehr froh, dass ich auf meine Freundinnen gehört habe, meinen Stolz runtergeschluckt habe und gesagt habe, dass ich mich nicht gut fühle und ein Problem mit der aktuellen Situation habe. Mir ging es in der Zeit zwischendurch echt nicht gut und ich bin meinen Freunden und meiner Familie sehr dankbar, da sie immer für mich da waren.
Ich habe nun schon ein paar Wochen der Schule hinter mir und leider habe ich es bis jetzt nicht geschafft etwas dazu zu schreiben. Die kanadische Schule ist ganz anders als in Deutschland und ich kann nicht sagen ob positiv anders oder negativ, es ist einfach anders.
Meine Schule ist die Waterford Valley High School. Sie ist noch relativ neu. Sie hat drei Stockwerke, eine Cafeteria und eine Sporthalle. Auf jedem Stockwerk sind ca. 36 Räume. An sich kann man sich echt gut zurechtfinden.
Jeder Schüler hat ein eigenes Schließfach. Am Anfang kam ich mit meinem Schließfach gar nicht klar, da ich es nicht öffnen konnte, weil es ein echt komplizierter Öffnungsmechanismus ist, mittlerweile komme ich aber super damit klar.
Mein Stundenplan hat sieben Fächer und ich habe pro Tag fünf von denen. Der Stundenplan ist so aufgebaut, dass man die sieben Stunden sieben Tage hintereinander hat, nach dem siebten Tag fängt es wieder bei Tag eins an. Das bedeutet man hat nicht montags immer Tag eins und nicht freitags immer Tag fünf. Man muss jeden Tag neu gucken, was für Fächer man hat. Am Anfang fand ich es sehr kompliziert, aber mittlerweile habe ich mich daran gewöhnt und kann meinen Stundenplan und den einer Freundin schon auswendig, nur ihre Räume weiß ich nicht alle. Hier ist es so, dass jeder Lehrer einen eigenen Raum hat und man für die Stunde zum Raum des Lehrers geht.
Die Stunde, die man am Tag eins in der ersten Stunde hat ist der Homeroom. Der Homeroom ist so was wie die eigene Klasse und der Lehrer ist mein Homeroomteacher, also sozusagen mein Klassenlehrer. An ihn muss ich mich wenden, wenn ich irgendwelche fragen habe, oder wenn ich zum Beispiel die Zugangsdaten für Google Classroom. Google Classroom ist eine Plattform, auf der die einzelnen Lehrer einen Klassenraum erstellen, in welchem sie Arbeitsblätter oder Termine veröffentlichen.
Die Lehrer sind extrem entspannt, was bedeutet, dass die Schüler im Unterricht am Handy sein, Musik hören und sogar auf die Toilette gehen können. Der Lehrer redet auch die meiste Zeit und man muss mitschreiben oder man bekommt am Anfang der Einheit einen Stapel mit Blättern und das ist dann meistens die ausgedruckte PowerPoint Präsentation, die man ansonsten mitgeschrieben hätte.
Also es ist im Großen und ganzen sehr unterschiedlich zu Deutschland und am Anfang war es sehr schwer sich daran zu gewöhnen, aber mittlerweile weiß ich, dass ich dieses Schulsystem sehr vermissen werde in Deutschland, aber ich muss auch ehrlich sagen ich vermisse auch das deutsche Schulsystem und sogar manchmal die strengen Regeln.
In den letzten Tagen ist sehr viel passiert. Als erstes sollte ich vielleicht erklären, dass wir im Voraus als wir das ganze Ausland gebucht haben, ein Outdoor Education Programm dazu gebucht haben. Von diesem Programm wird pro Monat eine Aktion gemacht. Am vergangenen Wochenende war die erste Aktion. Die Aktion war Wild-Wasser-Rafting.
Das ist der Weg den wir gefahren sind.
Wir sind am Samstag um 8:00 Uhr an der Avalon Mall losgefahren nach Grand Falls-Windsor.
Wir sind insgesamt ca. fünf Stunden unterwegs gewesen, haben aber auch lange Pausen dazwischen gehabt.Es hat aufgrund einer Baustelle und da wir mit dem Bus gefahren sind länger gedauert. Ich saß glücklicherweise neben einer guten Freundin.
Wir sind die ganze Zeit durch eine sehr schöne Gegend gefahren und ich habe gesehen, wie schön Neufundland ist.
Als wir dann um 14:00 Uhr bei der ersten Station angekommen sind haben wir Neopren Anzüge bekommen. Diese haben wir dann angezogen und haben hinterher noch eine Wasserfeste Jacke und eine Rettungsweste bekommen. Anschließend wurden wir dann an einen Anleger gefahren. Dort haben wir uns in Gruppen aufgeteilt und wurden dann jeweils einem Guide zugeteilt. In meinem Boot waren nur deutsche und es war sehr angenehm mal wieder nur Deutsch zu sprechen. Es war sehr lustig und wir haben uns alle sehr gut verstanden.
Nach dem wir im Boot waren und alle Regeln gehört haben sind wir losgefahren und unser Guide meinte direkt, dass jeder ins Wasser gehen würde und Schwimmen würde und so meinte er direkt, dass die linke Seite ins Wasser springen soll. Die linke Seite war meine Seite, weshalb ich also direkt am Anfang im Wasser war und somit die ganze Zeit nass war, was nicht weiter schlimm war. Wir sind dann erstmal eine Weile gefahren und unser Guide sagte dann irgendwann, dass dies die letzte Chance sei, um einander ins Wasser zu schupsen. Also haben sich dann alle gegenseitig ins Wasser geschmissen und wir waren hinterher alle nass.
Danach hatten wir die Chance von einem Felsen ins Wasser zuspringen, was total lustig und cool war. Anschließend sind wir durch mehrere Stromschnellen gefahren. Also insgesamt hat es sehr viel Spaß gemacht und ich würde es immer wieder machen.
Nachdem wir beim Anleger angekommen sind konnten wir uns umziehen und sind hinterher in ein Tailändisches Restaurant gefahren und haben dort gegessen.
Durch Zufall habe ich dort den einen Jungen vom Flug getroffen, der dort lebt. Wir haben uns dann ein bisschen unterhalten und es war sehr schön. Anschließend sind wir zum Hotel gefahren, in dem wir übernachtet haben.
Am nächsten Morgen
sind wir nach dem Frühstück wieder losgefahren. Wir sind diesmal nur fünfeinhalb
Stunden gefahren, was sehr gut war, da alle müde waren. Ich war sehr froh als
ich wieder Zuhause war und mich ausruhen konnte.
Im Allgemeinen war das Wochenende sehr schön und ich habe es sehr genossen. Ich bin sehr froh, dass wir dieses Programm gebucht haben!
Die letzten Tage in Deutschland waren wunderschön. Ich habe mich von allen möglichen Leuten verabschiedet und mit meiner Mutter meinen Koffer gepackt. Da der Koffer Übergepäck hatte, mussten wir mehrere male umpacken und ich musste schließlich ein paar Sachen zuhause lassen. Aber meine Mutter meinte sie würde mir das in den nächsten Monaten hinterher schicken. Ich bin sehr froh, dass ich am letzten Tag etwas zu tun hatte, sonst hätte ich zu viel über den Flug nachgedacht und mich echt verrückt damit gemacht.
Am Sonntag, den 01.09. haben wir uns dann um kurz vor sieben auf den Weg nach Frankfurt gemacht. Ich bin so froh, auch noch im Nachhinein, dass meine Familie mich nach Frankfurt gebracht hat, da ich diese Fahrt nochmal sehr genossen habe.
Die
Verabschiedung von meiner Familie ging mir viel zu schnell. Es war an sich sehr
gut, aber es ist hart zu wissen, dass man sie zehn Monate nicht mehr in Person
sehen wird und sie nicht einfach mal so in den Arm nehmen kann, wenn es einem
schlecht geht. Natürlich gibt es Skype, What´s App und so was, aber es ist
nicht dasselbe und ich vermisse sie im Moment noch sehr dolle. Ich denke aber
das es besser wird.
Kommen wir wieder zurück zum Flug. Die Begleitung des Fluges konnte uns leider nicht Begleiten und meine Mutter meinte ironischer Weise noch, es sein nicht so schlimm solange dies das einzige ist, was passiert. Natürlich blieb es nicht dabei. An sich hätte ich in Montreal vier Stunden Aufenthalt gehabt, doch der Flug hatte leider fast zwei Stunden Verspätung. Zum Glück habe ich noch herausgefunden, dass zwei Jungs auch nach St. John’s fliegen. Schlussendlich saßen wir eine Stunde vor Abflug immer noch bei der Immigration. Daher haben leider den Flug verpasst. Also mussten wir den Flug neu buchen und da es erst um 12:45 Uhr (Zeit in Montreal) am nächsten Tag einen neuen Flug gab, wurden wir in einem Hotel untergebracht. Das Hotel lag mitten in der Innenstadt, hatte vier Sterne und war echt super schön. Ich war sehr froh, dass ich nicht alleine war.
Am nächsten Tag hat alles super funktioniert und so sind wir um halb fünf Uhr nachmittags in St. John´s angekommen. Meine Gastfamilie war von Anfang an sehr freundlich und wir sind, nachdem wir mein Gepäck zum Haus gebracht haben, an den Strand gefahren und haben Marshmallows gegrillt. Es war sehr schön und ich kam mir vor, wie in einem Film.
Anschießend haben wir etwas gegessen und sind wieder zurückgefahren. Ich habe dann mein Koffer ausgeräumt und bin schlafen gegangen.
Der nächste Morgen war nicht einfach für mich. Ich bin aufgewacht und hatte schreckliches Heimweh. Es wurde aber besser, da wir nach dem Frühstück nach Cape Spear gefahren sind.
Dies ist ein alter Leuchtturm aus dem zweiten Weltkrieg.
Danach haben wir noch ein paar Schulsachen für mich besorgt und haben eine SIM karte gekauft. Beim Einrichten hat mein Vater mir dann geholfen und ich habe ungefähr anderthalb Stunden mit ihnen geredet, was sehr geholfen hat. Danach habe ich bis zum Abendessen ferngesehen. Das Abendessen hat super Spaß gemacht, wir haben als alle fertig waren viel gelacht und viel geredet. Ich habe ihnen die Gastgeschenke übergeben und sie haben sich sehr gefreut. Außerdem haben sie anschließend versucht deutsch zu sprechen, was nicht sehr gut funktioniert hat. Nach dem Abendessen habe ich mit dem jüngeren Bruder und dem Vater ein Spiel gespielt, es war sehr lustig und hat echt viel Spaß gemacht.
Und so sind wir bei heute angelangt. Heute Morgen war ich Joggen und habe die Gegend ein bisschen erkundet.
Anschließend habe ich mit Mama geskypt, da es mir wieder nicht so gut ging. Am Morgen ist es am schlimmsten. Ich werde jetzt ein bisschen Netflix gucken und wenn der ältere Bruder aus der Schule wieder kommt zeigt er uns die Gegend noch ein bisschen. Morgen ist der Orientation Day und Montag beginnt dann endlich die Schule. Ich hätte niemals gedacht das ich das mal sagen würde, aber ich freue mich sehr dolle auf die Schule, habe aber gleichzeitig auch ein bisschen Angst. Abschließend kann ich sagen, dass die ersten Tage sehr Anstrengend und schwer sind und ich sehr dankbar über die Unterstützung von Zuhause bin, aber es wird hoffentlich besser.